Die wahre Geschichte von den Makaka mit den Sonnenbrillen

Adela Turin

Limmat Verlag, nur noch antiquarisch erhältlich
Italienisches Original: „La vera storia dei Bonobo con gli occhiali“, Motta Junior, 8,08 Euro

Neulich war das Leben wieder so klischeemäßig ungerecht und ich fand mich in einer beschissenen Muddi-macht-alles-Situation wieder (wie bin ich hierhin gekommen???), da musste ich an die Makaka denken. Ich LIEBE dieses Buch. Ich bin ja Tochter von 68er Eltern und etwas anders aufgewachsen als die meisten, und dazu gehörten eben auch feministische und antikapitalistische Kinderbücher (wenn ich noch mehr davon wiederfinde, gibt es dazu vielleicht eine eigene Rubrik hier).

Und dann begann die Suche. In meiner Erinnerung heißt das Buch „Die Makaka-Affen“ (google das mal, kommt nix). Als ich es dann auf italienisch bestellt hatte, hat meine Mutter unser Exemplar gefunden. (Warum Bonobo auf deutsch Makaka heißen, muss man Christa, Heidi, Iris und Vreni fragen.)

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Jetzt haben wir es also als Mama- und als Papa-Buch. Super!

Als Kind fand ich die Makaka toll, weil ich die Bilder mochte. Außerdem, aber das ist mir erst jetzt bei der Re-Lektüre aufgefallen, fand ich sie COOL. Ich mag das Buch in all seiner Widersprüchlichkeit, weil es Fragen aufwirft und so viele Leerstellen hat, und weil diese klischeemäßige Ungerechtigkeit darin grade gerückt wird.

Bei den Makaka ist die Arbeit ungerecht verteilt: Die Frauen kümmern sich ums Essen und um die Kinder, während die Männer rumsitzen und laut sind. Das Rumsitzen wird den Männern irgendwann langweilig, deshalb beschließen sie, „gebildete Leute werden“. Also reisen „die vier Schönsten nach Belfast, um dort Englisch zu lernen“. (Ich muss das zitieren, es ist so schön. Warum die Schönsten? Warum nach Belfast? Warum Englisch???)

Die „vier Schönen“ habe ich als Kind sehr bewundert. Ich finde sie auch immer noch schön und saucool. Das liegt bestimmt auch an dieser Perspektive:

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Sie kommen mit Koffern und Sonnenbrillen zurück und sprechen vier englische Worte, die sie unablässig wiederholen. Jetzt sitzen die Makakamänner also im Wald rum, tragen Sonnenbrillen und sagen englische Wörter auf.

Den Makakafrauen dürfen nicht mitmachen und werden ausgelacht, wenn sie die Brillen tragen (dann können sie ihr Kopftuch nicht mehr tragen, kleiner Seitenhieb auf traditionelle Frauenkleidung). Sie nehmen die Kinder und ziehen in einen anderen Wald. Da werden sie sehr kreativ (pflanzen Blumen, knüpfen Hängematten, spielen Flöte) und amüsieren sich, weil sie nur noch für sich und die Kinder Nüsse und Beeren sammeln müssen. Sie leben in Harmonie mit den anderen Waldbewohnern, es ist so richtig schön kuschelig und gerecht.

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Die Makakamänner müssen sich jetzt selber um ihr Essen kümmern. Zum Sammeln müssen sie die Sonnenbrillen abnehmen, und über der Arbeit vergessen sie ihre vier Wörter. Am Schluss wird in Aussicht gestellt, dass sich die Männer vielleicht zu den Frauen aufmachen.

Mit der Patatina haben wir die Makaka/Bonobo noch nicht gelesen, aber! Der Tag wird kommen! Ich freue mich jetzt schon darauf, die italienische Variante zu hören.

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