Ciao Bambola

Adela Turin und Margherita Saccaro, 1978

deutsch: Tschau Bambola, Limmat Verlag, 1979

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Grässlich.

Die Geschichte, die Illustrationen, grässlich.

Nina hat Geburtstag und bekommt von Onkel und Tante (schreckliche Unsympathen) eine Puppe geschenkt, die sie sehr bewundert. „Bambola, Bambola, wie schön du bist, so schöne Haare, ach wie gerne hätte ich auch solche Haare!“

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Die Puppe bietet ihr an zu tauschen, aber sie müsse dann sehr aufpassen.

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So tauschen sie Haare (abends eindrehen!), Kleidung (keine Flecken machen!), Beine (nicht hinfallen! Nicht klettern!), Hände, Arme und – da wacht Nina auf. Ihr Geburtstag steht noch bevor, Onkel und Tante schenken ihr dann ein Fahrrad: „Für unseren kleinen Strolch!“

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Die Illustrationen gefallen mir überhaupt nicht (der Mond bereitet mir Alpträume), sind aber schon treffend: Onkel und Tante schneiden eklige Grimassen, werden als groß und bedrohlich dargestellt.

Mir gefällt der Verzicht auf die übliche Vorstellungsrunde am Anfang: „Das ist Nina“ findet nicht statt, wir sehen erst mal nur eine Mutter und eine Tochter (die übrigens allein leben, das merkt der grässliche Besuch natürlich an) lesend im Bett und müssen auf Seite 4 erschließen, wer Anna und wer Nina ist.

Und dann ist dieses Buch eine Offenbarung, was Body Positivity angeht. Mädchen spielen nämlich nicht nur nicht ausschließlich mit Puppen, noch weniger SIND sie Puppen! Und Nina hat offensichtlich so ein gutes Selbstwertgefühl, dass es ihr nur im Alptraum einfällt, sich mit einer Puppe zu vergleichen! Viel lieber macht sie alle die Dinge, die unpraktisch sind, wenn man auf ein gepflegtes Äußeres achtet, aber viel mehr Spaß machen.

Das Buch spricht also mehrere Stereotype an: genderspezifisches Spielzeug und Rollenkonflikte, Familienmodelle und, was ich in Zeiten von GNTM besonders wichtig finde: dass kleine Mädchen schön sein sollen und andere Mädchen für ihre Schönheit bewundern sollen (Konkurrenz!). Aber die Puppe ist künstlich und nicht lebendig! (Und Make-up in Zeiten von Contouring eine bewegungslose Maske, nicht falsch verstehen bitte, aber come on, leblos als Schönheitsideal?)

Als die Verwandten dann tatsächlich mit dem Fahrrad auftauchen, nennen sie Nina ihren „kleinen Strolch“. Blöd, weil männlich. Aber die Verwandten sind ja auch blöd, obwohl sie verstanden haben, dass Nina nicht gern mit Puppen spielt. So viel kann frau (hmpf) dann wohl doch nicht verlangen, und ich kenne genug Frauen, die über sich selbst mit männlichen Substantiven sprechen (neulich erst, eine äußerst emanzipierte Freundin sprach von sich als „stolzer Besitzer einer Sackkarre“, es wurde dann schnell obszön).

 

 

Fun Fact: 1978 schon Werbung für Biowein!

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