Die fünf Frauen des Jadavindra Koborboon

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Adela Turin, Francesca Cantarelli und Nella Bosnia, Ali Baba Verlag Frankfurt, 1978

Jadavindra Koborboon, Silberbart genannt, reicher und eitler Maharadscha von Bingalor, gefürchteter Ausbeuter, heiratet und verstößt fünf Frauen (nacheinander). Die erste ist zu langweilig, die zweite zu poetisch, die dritte zu unabhängig (weil reich), die vierte zu lernwütig und die fünfte zu jung. Lisa, Hanna, Zelda, Florinda und Lil-Yana werden nach der Scheidung in einen grünen Palast gesteckt, wo sie musizieren, dichten und Theater spielen.

 

Als sie zu fünft sind, schreiben sie eine Oper über „Halbbart und seine sieben Frauen“, mit der sie durch das Land ziehen und den Maharadscha so lächerlich machen, dass seine Untertanen ihn nicht mehr ernst nehmen und einfach nicht mehr für ihn arbeiten (sie zahlen keine Steuern und beliefern ihn nicht mehr).

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Es ist also eine doppelte Emanzipationsgeschichte: Feministisch und antikapitalistisch.

Die Illustrationen von Nella Bosnia sind detailreicher als sonst, was aber auch dem Setting geschuldet ist. Bingalor (=Bangalore) ist eindeutig indisch, und darin liegt auch die Problematik des Buchs. Orientalismus. Allerdings muss man bedenken, dass die Orientalismusdebatte erst 1978 richtig losging und dass Indien hier nicht nur, wie in der europäischen Literatur üblich, als utopisches Märchenland gezeichnet wird, sondern auch ganz realistische Beziehungen nach außen hat (Capri, Düsseldorf). Die stereotype Indiendarstellung will nicht so richtig zum Rest des Buches passen, leider. (Ich finde ja, dass man solche Probleme immer bei der Lektüre thematisieren und auch Kindern ein Bewusstsein für die Historizität ihrer Bücher vermitteln und zutrauen kann.)

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Sehr aufregend ist der deutsche Klappentext. Hierarchiefreie Orthografie (Kleinschreibung!)! Und die Übersetzung (wohl aus dem Englischen) stammt von zwei Schülerinnen!? Der Text wurde also aus dem Italienischen ins Englische ins Deutsche übersetzt (da könnte mal jemand aus einem Übersetzungsstudiengang eine schöne Hausarbeit drüber schreiben).

Ein Gedanke zu “Die fünf Frauen des Jadavindra Koborboon

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