Eine Geschichte ohne Ende: Ein Bilderbuch aus Brasilien

Als die Patatina das vorletzte Mal krank wurde, also vor ca. 3 Wochen, waren wir gerade auf dem Weg in diesen wunderschönen Buchladen im Prenzlauer Berg, Mundo Azul. Einer der schönsten Buchläden überhaupt, für internationale Kinderbücher. Man kommt rein und sieht gleich, was Sache ist. Hier gibt sich jemand Mühe.

Ich war vorher noch nie drin. Vielversprechend schon auf dem Weg dahin, Choriner Ecke Zionskirchstraße: Vino e Libri. Das war leider zu und wäre mit dem fiebernden Kind eh nicht gegangen. Im Prenzlauer Berg müsste man wohnen. Echt schön da. Das mein ich ganz unironisch. So gentrifiziert und gar nicht mehr wiederzuerkennen. Und aus der Mode gekommen ist er ja auch schon, oder? Na egal. Samstagvormittag war da jedenfalls keine Menschenseele.

Wir sind also in diesem wunderschönen Buchladen, ich fühle mich wohl und so verstanden, wie immer an Orten mit vielen Büchern, und will dem Kaufrausch verfallen, da wird das Kind krank. Mein Mann und ich kaufen beide Bücher, allein um sie zu haben (er macht das auch mit Filmen und Platten), deshalb kann es im Buchladen lange dauern. Besser vorher ein Limit setzen. Oder ein krankes Kind dabeihaben.

Wir konnten also nicht so richtig stöbern, aber dieses hier, das musste sein.

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Wer aufmerksam mitliest, kann sich vorstellen, was ich bei einer „Geschichte ohne Ende“ erwarte. Und dann diese abgefahrenen Bilder und gar kein Text.

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Wie gesagt, es ist mindestens 2 Kitakrankheiten (also 3-4 Wochen) her, dass wir dort waren.

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Und ich habe das Buch bis heute nicht verstanden.

Echt nicht. Was hab ich schon alles untersucht an dem Ding. Ich raff es nicht. Oder es ist doof. Oder beides.

Da sind Tiere, die stehen an, um von einem Urwaldgott mit rückwärtsgewandten Füßen angemalt zu werden. Dann wird es Nacht. Am nächsten Tag scheint die Sonne, sie stehen vor einem Spiegel, und dann regnet es und die Farbe wird abgewaschen. Und dann stehen sie vor einem Baum mit einem Loch. Und gucken aus dem Buch raus. AUS dem Buch HERAUS. Und dann kuckt man draußen –

Aaaaaaaaaaaaah! Jetzt hab ich‘s. Ich habe es jetzt. Ha! Jetzt in diesem Moment. Jetzt habe ich es verstanden. Endlich! Puh. Ich dachte schon, ich wär blöd. Na, war ich ja auch. Dabei ist es so einfach! Man muss den Buchdeckel mitlesen, aber mehr verrate ich nicht.

So, also muss ich dem Werk jetzt ein Riesenkompliment machen. Ich hab echt (jetzt hab ich nachgesehen) dreieinhalb Wochen gebraucht, um dieses Buch zu verstehen. (Obwohl oder weil ich nach der Metafiktion gesucht habe?)

Wenn jetzt jemand denkt, dann sei es ja für Kinder völlig ungeeignet, muss ich sagen: Nein, gar nicht. Die Patatina liebt es. Sie guckt wirklich gern durch das Loch und diese schwarz-weiß-roten Bilder findet sie richtig spannend. Vielleicht, weil sie so anders sind. Es ist aus Pappe, sie kann also selbst damit hantieren. Und gerade, weil es völlig ohne Text funktioniert, zeigt das Buch sehr schön, wie Erzählen funktioniert, nämlich linear. Wenn man so schlau ist, den Buchdeckel mitzulesen, hat man dann noch eine ganz tolle haptische Komponente im Lesekompetenzerwerb und zackbumm, der Weg in die Bibliophilie ist geebnet. Hurra!

 

Marcelo Pimentel,Eine Geschichte ohne Ende: Ein Bilderbuch aus Brasilien,Baobab Books, 14,90 Euro

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